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Zusammenfassung eines Videos von CANIS – Zentrum für Kynologie

Da man mittlerweile vor lauter Statements, Meinungen und Diskussionen den Überblick verlieren könnte, fasse ich mal das Wichtigste zu dem „Blechschüssel-Video“, welches so ziemlich alle Hundehalterherzen in Aufruhr versetzte, zusammen.

Vor wenigen Tagen (19.12.12) sorgte ein kurzer Videoausschnitt von CANIS – Zentrum für Kynologie, veröffentlicht bei Youtube, in allen Internetplattformen für helle Aufregung. Das Video entstand im Jahre 2009 im Rahmen eines Workshops für Studenten (zukünftige Hundetrainer) und zeigt folgende Szene:

Ein Mann (wie sich später herausstellte Herr Frank Fass, Wolfcenter Dörverden) hielt in seiner rechten Hand einen Blech- oder Metallfutternapf, in der linken Hand einen mit Maulkorb versehenen Schäferhund an einer kurzen Leine. Eine Frau (die Besitzerin des Schäferhundes) steht daneben – der Hund befindet sich also mittig zwischen Herrn Fass und seiner Besitzerin. Kontaktversuche des DSH gegenüber seiner Halterin werden mittels der kurzen Leine von Herrn Fass verhindert.

Ein Mann mit langem Mantel und Hut (Herr Michael Grewe, Leiter der Hundeschule Hundeleben und des CANIS-Zentrum) nähert sich frontal und schnellen Schrittes dem Schäferhund. Der Schäferhund erachtete diese Situation für sich als sehr bedrohlich, konnte aber mangels Leine nicht fliehen also blieb ihm gar nichts anderes übrig, als bellend nach vorne zu springen.

Just in diesem Moment wird der Metallnapf zur Schlagwaffe umgewandelt und Herr Fass platziert einen gezielten und harten Schlag auf dem Kopf/Schnauzenbereich des Hundes!

Im weiteren Verlauf ist zu sehen, dass der Hund wiederholt Schutz bei seiner Besitzerin sucht, was diese und Herr Fass aber immer wieder durch wegstoßen und Leinenrucke verhinderten.

Dies war kein ungeplanter und plötzlicher Angriff, welchem man sich irgendwie erwehren musste, sondern eine gestellte Trainingssituation, die dazu dienen sollte, den Workshop-Absolventen zu zeigen, wie man mit angstaggressiven Hunden arbeitet und umgeht. Ich verurteile einen solchen Umgang mit einem Lebewesen zutiefst, es gibt keinen Grund einem Hund derartige Gewalt anzutun. Erst Recht gibt es keinen Grund, ein solches Verhalten zu lehren! Das ist ganz klar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, widerspricht jeglichen Regeln des Lernverhaltens – es ist nicht tolerierbar.

Die beteiligten Herr Grewe und Herr Fass haben auch eine eigene Stellungnahme zu dem Video abgegeben, die mich letztendlich fast noch mehr erschütterte, als das Video selbst. Hier ein paar wenige Zitate aus der Stellungnahme von Herrn Grewe:

„Was auf dem Film bei YouTube nicht zu sehen ist, ist das Verhalten des Hundes vorher und das Verhalten des Hundes hinterher.“ – Meiner Meinung nach ist es völlig egal, wie der Hund vorher/hinterher reagierte, kein Verhalten dieser Welt erlaubt ein solches Vorgehen.

„Es stand seinerzeit, nach dem Besuch etlicher Hundeschulen zur Diskussion, den Hund einzuschläfern oder eben mit verstärkten Maßnahmen den Hund zu öffnen und eine angepasste Alternative anzubieten. Nicht zu beißen eben!“ - … mit verstärkten Maßnahmen den Hund zu öffnen – fachlich vollkommen daneben!

„Man sieht halt keine schöne Sache. Das Gute an dieser unschönen Sache ist aber, das der Hund am Leben bleiben konnte. Und für diesen ernsten Hintergrund, Spritze oder durch das Tal hindurch und weiter leben, bin ich auch bereit, zu ernsteren Maßnahmen zu greifen.“ – Richtig, man sieht keine schöne Sachen, man sieht, wie ein Mann einen Hund sehr derb mit einem harten Gegenstand schlägt – unser Tierschutzgesetz verbietet solche Maßnahmen im Training. Brutalität als Lösungsweg? Das kann ja wohl nicht wahr sein!

„Nun darf man aufgrund dieses Filmausschnittes aber auch nicht denken, dass jeder Hund, mit jedem Problem von uns so gearbeitet wird.“ – Ach nein? Weshalb laufen dann auf anderen Workshops die Teilnehmer mit diesen Blechnäpfen in der Hand herum? Klar und deutlich auf Workshop-Bildern erkennbar.

„Was uns betroffen macht ist der Hass, der uns entgegen kommt, von Menschen, die uns und unsere Arbeit gar nicht kennen und aufgrund des kleinen Ausschnittes tatsächlich denken oder die Propaganda vertreiben, nur so würde bei uns gearbeitet.

Das ist nicht zutreffend und wir werden uns und unserer Arbeit treu bleiben.“ – Muss man eine komplette Arbeit eines Trainers kennen, um ein solches wie im Video gezeigtes Verhalten, kritisieren zu dürfen? Der Schlag wurde auf seine Anweisung hin so ausgeführt und fertig – das ist ein NoGo für einen Menschen der sich Hundetrainer nennen möchte und auch noch andere Menschen zu solchen ausbildet!

Die Droh- und Hasskommentare, die es natürlich auch gab, sind für mich ein ebensolches NoGo, wie das Vorgehen dieser beiden Herren dem Hund gegenüber; nicht mehr aber auch nicht weniger. Dass sich Herr Grewe und Herr Fass nun als Opfer sehen halte ich persönlich für ein Ablenkungsmanöver der Grausamkeit des Umgangs mit dem Hund in dieser Situation. Verhalten wird durch seine Konsequenzen bestimmt – auch das Verhalten diesen Männer zieht hoffentlich Konsequenzen nach sich.

CANIS – Zentrum für Kynologie,  bietet eine Hundetrainerausbildung an, deren erfolgreicher Abschluss zu einer behördlich anerkannten Zertifizierung führt. Auf der Homepage sind u.a. folgende Texte zu finden (Zitat) „Die Zertifizierung soll Behörden und anderen Institutionen helfen, eine möglichst objektive Entscheidung zu treffen und eine gute Hundeschule zu empfehlen. Weiterhin soll die Zertifizierung Hundehaltern helfen, eine geeignete Hundeschule zu finden.
Die Daten des/der Zertifikatsinhabers/-inhaberin werden auf der Homepage der TÄK-SH (Tierärztekammer Schleswig Holstein) veröffentlicht und an Behörden und Gemeinden weitergegeben.“

Nochmal kurz zur Erinnerung: das Video wurde während eines Workshops für diese zukünftigen Zertifikatsinhaber gedreht. Diesen Studenten wurde somit gezeigt, wie sie zukünftig mit einem ähnlichen Problem umzugehen haben! Drastisch ausgesprochen: den Studenten wurde beigebracht, wie sie sich gesetzeswidrig verhalten müssen!

Weiterhin ist auf der Homepage zu erfahren, dass diese Zertifizierung auf der Basis der Arbeitsgemeinschaft Hundehaltung und der Bundestierärztekammer erarbeitet wurde. Für diese Fachbereiche sind als Experten genannt: Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Ethologin, Fachtierärztin für Verhaltenskunde mit der Zusatzbezeichnung „Tierschutzkunde“ und Dozentin; Herr Dr. Pasquale Piturru, prakt. Tierarzt mit den Zusatzbezeichnungen „Verhaltenskunde und –therapie, Tierschutzkunde“ sowie Herr Michael Grewe, Hundetrainer und Verhaltensberater.

Diese Menschen sind also Mitbegründer und somit auch mitverantwortlich für die Inhalte dessen, was zukünftige Hundetrainer lernen: schlagen ins Gesicht oder auf den Kopf mit einem Metallfutternapf. Na Bravo, wo soll das nur hinführen?

Es gibt viele Stellungnahmen von Verbänden aber auch von Hundetrainern zu diesem Vorfall. Ein paar wenige möchte ich hier verlinken:

IBH, internationaler Verband der Hundetrainer,

BHV, Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V.,  

BVdH, Berufsverband der Hundepsychologen

CANISUND, Thomas Riepe

CANIS - Stellungnahme Michael Grewe

Wolfcenter Dörverden - Stellungnahme Frank Fass

Leider gibt es noch keine mir bekannte Stellungnahme von der Tierärztekammer Schleswig Holstein und auch Frau Dr. Feddersen-Petersen möchte sich erst ausführlich äußern, wenn sie den gesamten Videofilm gesehen hat und nicht nur den kurzen Ausschnitt. Ich verstehe nicht, weshalb man sich ein ganzes Video anschauen muss, um zu erkennen, dass es bei dem gezeigten Ausschnitt um eine nicht zu tolerierende Tierquälerei handelt. Egal was vorher und nachher zu sehen ist auf dem Video, ein solches Vorgehen darf nicht ungestraft und ohne Folgen bleiben. Es wurden zu Recht viele Strafanträge gestellt und es wird auch zu Recht gefordert, dass dieses Verhalten Konsequenzen nach sich zieht.


 

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